Du kannst dein Gedächtnis mit Wissen und Erfahrung trainieren. Dabei muss nicht immer visuell gearbeitet werden, weil das Gehirn ein komplexes System ist, also alle Bereiche mehr oder weniger stark miteinander verbunden sind. Deshalb ist das Übungsspektrum sehr groß und reicht vom Alltagsbewusstsein hin zu klinischen Übungen. Eine einfache Übung besteht darin, sich bestimmte Körpermerkmale von Menschen einzuprägen oder Gesichter und Namen miteinander zu verbinden. Das sind Prozesse, die „automatisch“ ablaufen, die aber verbessert werden können, je bewusster man sie ausführt. Beobachte dein eigenes Lernverhalten und wenn du dir Dinge merken musst, nutzt du aktiv bestimmte Lernmethoden oder Lernstrategien.
Fertige spontan-intuitiv Zeichnungen, wende dich dann für ca. fünf Minuten von diesen ab und versuche, dich danach an deine Zeichnungen zu erinnern. Beschreibe alle Zeichnungsinhalte oder zeichne aus deiner Erinnerungen ein neues Bild und vergleiche dann das Original mit der neueren Version. Solche Prä-Post-Vergleiche sind sehr hilfreich, um sich selber auf die Schliche zu kommen, weil man so sehr exakt die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Originalen und den Erinnerungsstücken herausarbeiten kann.
Wie weiter oben schon erwähnt: Nutze Puzzles und Memory-Spiele, aber auch Kreuzworträtsel sind hilfreich, wobei bei diesen das Abstraktionsniveau höher ist und der Fokus auf dem begrifflichen Denken liegt.
Wenn du weniger konkrete Übungen möchtest, sondern dich eher an den Prinzipien ausrichten willst, die das visuelle Gedächtnis fördern, so kannst du vier Leitprinzipien nutzen:
1. Aufmerksamkeit:
Lerne, deine Aufmerksamkeit bewusst zu steuern. Oftmals ist unsere Aufmerksamkeit aufgrund von Erfahrungen konditioniert und wir nehmen nur das wahr, was wir sozusagen schon immer wahrgenommen haben. Der Leuchtturm zeigt so nur in eine Richtung. Lerne, die Kontrolle über deinen Leuchtturm auszuüben und blicke „anders“ in die Welt als üblich. Beim Arbeitsweg oder Spaziergang kannst du z. B. auf Einzelheiten am Wegesrand achten. Statt sich in Gedanken zu verlieren, beobachte einfach nur deine Gedanken.
2. Assoziationen:
Visuell arbeiten heißt in der Regel, mit Assoziationen zu arbeiten, denn aus der Wahrnehmungspsychologie sind viele Gesetze bekannt, die auf Verbindungen beruhen. So wird Ähnliches mit Ähnlichem verbunden oder Elemente, die nah bei aneinander liegen, werden eher als zusammengehörig wahrgenommen, als weiter entfernte Elemente. Assoziiere also! Verbinde Gesichter, Namen, Telefonnummern, Buchstaben, Bilder oder Fantasiegebilde.
3. Fotografisches Gedächtnis:
Nutze aktiv deine Sehsinne! Präge dir bewusst visuelle Erscheinungsformen ein und prüfe, ob du dich an alle erinnern kannst.
4. Nutze Lernstrategien und Lernmethoden:
Lernen vollzieht sich immer systematisch, weshalb es gut ist, diese Systematik effizient und effektiv zu gestalten. Befasse dich mit unterschiedlichen Lernstrategien und Lernmethoden und nutze jene, die dir am besten zusagt.
Speziell: Loci-Methode
Diese Methode ist Assoziation in Reinform! Lege gedanklich Gegenstände im Raum ab und verbinde diese mit bestimmten Informationen. Wahre eine Reihenfolge! Um nun die Informationen zu erhalten, laufe den Raum gemäß der Reihenfolge der abgelegten Gegenstände ab.
Je intensiver du lernst, übst und visuell arbeitest, desto besser wirst du die positiven Effekte bemerken, die sich schnell einstellen werden, weil du etwas bewusst nutzt, was du sowieso schon die ganze Zeit verwendest. Der „Trick“ besteht darin, effizienter zu werden.